Seit drei Jahren bin ich schon bei Mensa. EMAG war mir bisher nur aus Berichten in TopIQ ein Begriff. Nach Rumänien oder Wales zu fahren, hätte mich natürlich gereizt. Montenegro aber war für mich ein Muss.
Anreise und die Tara
Ich fuhr mit dem Auto, wie schon unzählige Male davor, in Begleitung meines Mannes, meines Sohnes und meiner Schwester.
Unterwegs habe ich die Chat-Meldungen verfolgt. Viele Fragen – und das Montenegro-Team bemühte sich, alle zu beantworten. Man konnte die Vorfreude und die Neugier auf ein Land, über das die wenigsten etwas wussten, richtig spüren.
Die Pre-Tour kam für mich leider nicht infrage. Nur zwei Wochen Urlaub sind einfach zu kurz für alles, was man gerne machen möchte. Wir fuhren zuerst in den Nordosten Montenegros, um meinen Vater zu besuchen.
Am Fluss Tara, wo die Pre-Tour stattgefunden hat, war ich vor Jahren schon einmal. Die Faszination über die einmalige blau-grüne Farbe dauert bis heute an.
Die Tara bildet auf den letzten rund 40 Kilometern die Grenze zwischen Bosnien und Herzegowina und Montenegro. Ihr Canyon ist rund 78 Kilometer lang und teilweise bis zu 1.333 Meter tief. Damit ist der Tara-Canyon der tiefste Canyon Europas und nach dem Grand Canyon der zweittiefste der Welt. Die Tara selbst ist rund 144 Kilometer lang und damit der längste Fluss Montenegros.
Im Canyon und seiner Umgebung gibt es zahlreiche hydrologische Besonderheiten und interessante Phänomene, eine reiche Flora und Fauna mit vielen endemischen und Reliktarten sowie eine spezifische Landschaftsstruktur. All das und noch viel mehr hat dazu beigetragen, dass die UNESCO 1987 den Durmitor-Nationalpark in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes aufgenommen hat und ihn als einzigartiges Trinkwasserreservoir des Planeten anerkennt.
Für Liebhaber von Rafting-Touren, Fliegenfischen und wilder Natur, die eine einmalige Ruhe bietet, ist ein Urlaub an der Tara ein Muss.
Ankommen beim EMAG
Für meinen Mann und mich ging die Reise am 29.8. weiter nach Podgorica zum Wissenschafts- und Technologiepark von Montenegro.
Anmelden, sich umschauen, Informationen über die Akkreditierung meiner Schwester einholen, die zum Galaabend angemeldet war – und natürlich die Freude über die schon bekannten Gesichter: Peter, Silvia, Nelli, Niki, Hannah und Meli waren alle schon da.
Von dort fuhren wir nach Balabani Local Stay, zu unserer Unterkunft in der Nähe des Skadar-Sees. Eine Unterkunft, die ich jedem empfehlen würde, der in dieser Umgebung übernachten möchte.
Wir hatten gerade noch Zeit, uns für den Icebreaker herzurichten.
Icebreaker am Skadar-See
Angekommen im Plavnica Eco Resort, einem Luxusresort am geschützten Skadar-See, fiel mir sofort die Natur auf. Überall Grün, dazwischen Wasser und eine unglaubliche Ruhe – man hatte fast das Gefühl, mitten in der Natur und nicht in einem Luxusresort zu sein. Wir gingen hinein auf die Gartenterrasse, wo sich schon die Leute versammelten. Da traf ich auch die anderen.
Vor uns stand eine Bühne, auf der die Band Platz nahm. Sie spielte wirklich gut, war für diese Gelegenheit aber doch etwas zu laut. Rund um den Swimmingpool gab es weitere terrassenartige Podeste mit Stehtischen.
Silvia fragte sich, wer wohl als Erster hineinspringen würde. Es dauerte nicht lange, und der Pool war voll. Diejenigen, die nicht mit Badeanzug ausgestattet waren, gingen in Unterwäsche hinein. Bei der Hitze kein Wunder.
Ob Peter vorbereitet war, weiß ich nicht, aber seine Haare waren auf jeden Fall vom Schwimmen nass.
Und mein Mann, der Mensa nicht wirklich kennt, war verwirrt. Er hatte Leute in Abendkleidern und Anzügen erwartet.
Podgorica
Am nächsten Tag fuhren wir zum Technologiepark. In dem dortigen Restaurant bestellte ich mir Podgorički popečci, ein Nationalgericht, bei dem dünne Kalbsschnitzel mit Schinken, Kajmak und Käse gefüllt, gerollt und paniert ausgebacken werden.
Nach dem Essen gingen mein Mann, Silvia und ich uns Podgorica anschauen.
Das ist eine sehr junge Stadt. Bis 1878 stand sie unter osmanischer Herrschaft. Im Ersten Weltkrieg war Podgorica österreichisch besetzt, im Zweiten Weltkrieg zunächst italienisch und später deutsch. Durch die Bombardierungen wurde die Stadt fast vollständig zerstört. Nach dem Krieg wurde sie in Titograd umbenannt und zur Hauptstadt der Teilrepublik Montenegro bestimmt. Seit der Unabhängigkeit Montenegros trägt sie wieder den Namen „Podgorica“, was auf Deutsch „unterhalb des Hügels“ bedeutet.
Die Architektur ist dementsprechend. Kein richtiger Ortskern, wie wir es kennen. Da sie eine Hauptstadt ist, gibt es unzählige Neubauten, manche sehr schön, andere wiederum nur protzig.
Nette Gassen mit niedrigen Häusern im Ortszentrum und Hochbauten rundherum. Und eine wunderschöne Straße im neuen Zentrum, wo sich hinter einer Baumallee niedrige Häuser verstecken, in denen sich Lokale und Restaurants befinden – mit Musik, selbst unter der Woche. Dazwischen eine Promenade.
In den Chats kursierten viele Bilder aus den erwähnten Cafés und Restaurants, in denen sich Mensaner getroffen hatten. Manche, mit Live-Bands, sangen selbst und blickten mithilfe von selbst mitgebrachtem und gebranntem Schnaps der Morgendämmerung entgegen.
Was wir bei unseren Cafébesuchen festgestellt haben: Die Montenegriner haben sehr guten Wein, trinken aber lieber Bier oder Schnaps.
Eine Wohnsiedlung und Karaoke
Wieder im Wissenschafts- und Technologiepark von Montenegro angekommen, nachdem wir festgestellt hatten, wie teuer Wein ist, ging ich los, um welchen für später zu kaufen.
Auf dem Weg kam ich durch eine Wohnsiedlung, in der die Architektur für das Wohnen und nicht nur für den Profit gemacht wird. Von außen konnte man die humane Aufteilung der Räume erkennen, die großzügigen Terrassen sowie helle und warme Fassadenfarben statt „modernem Grau“.
Und dazwischen ein Innenhof, den man sich nur wünschen würde. In gepflegtes Grün ist ein wunderschöner Spielplatz eingebettet. Rundherum sind organisch angelegte Wege und kleine Pavillons, wo man sich zum Reden, Karten- oder Schachspielen oder auf einen selbst mitgebrachten Kaffee hinsetzen kann.
Es war schon halb zehn am Abend, und es waren so viele Familien mit Kindern draußen, die gespielt haben. Und keiner hat sich beschwert. Fast idyllisch.
Die Hitze lässt sich eben draußen leichter ertragen.
Zurück am Treff-Ort wurde ich prompt als Jurorin für den Karaoke-Songcontest auserkoren. Mein Mann musste Geduld üben, da er schon müde war.
Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ein Amerikaner hatte sich schlauerweise einen lokalen Hit ausgesucht. Manche kamen sogar zum Juroren-Tisch, um für sich Punkte zu sammeln. Für andere kamen Landesleute, um für sie zu loben.
Manche animierten zuerst das Publikum zum Mitsingen, um die eigene Unfähigkeit zu übertönen.
Und wer hat gewonnen? So wie bei echten Songcontests natürlich der Schwede. Er hatte am besten mit dem Publikum kokettiert.
Ulcinj und Velika Plaža
Ich hatte nichts gebucht, also schloss ich mich am nächsten Tag spontan der Tour nach Ulcinj mit meinem eigenen Auto an.
Dort angekommen, musste ich schon am Parkplatz feststellen: Nicht alle Montenegriner sprechen Montenegrinisch. Manche sprechen nur Albanisch oder Englisch.
Ulcinj ist die südlichste Stadt Montenegros und nur 20 Kilometer von Albanien entfernt. Manche sagen, das sei schon Albanien.
Wir schauten uns die Altstadt von Ulcinj mit anderen Mensanern an, während Peter lieber am Strand baden ging. Es war sehr heiß.
Danach entschloss ich mich, nach Velika Plaža zu fahren, um Kindheitserinnerungen aufzufrischen. Zum Baden war mir dort trotzdem nicht. Es war sehr windig.
Der Sandstrand beginnt etwa fünf Kilometer von Ulcinj entfernt und ist 13 Kilometer lang sowie 60 Meter breit. Er ist ein Naturphänomen, das im Süden an der Mündung des Flusses Bojana in die Adria, an der Grenze zu Albanien, endet.
Die Qualität des Sandes ist so, dass ihm medizinische Eigenschaften zugeschrieben werden – er ist reich an Mineralien und soll eine wohltuende Wirkung bei der Behandlung von Rheuma und anderen Krankheiten haben.
Velika Plaža zeichnet sich durch ein sehr langes, flaches Band von Meerwasser aus.
Man nennt es auch Ulcinjs Copacabana, da man hier segeln, surfen, Wasserski fahren, Fußball oder Beachvolleyball spielen kann.
Der Abend war für meine Geschwister und meine Familie reserviert.
Montenegro – mehr als Klischees
Mein letzter Tag beim EMAG war mit einigen Vorträgen, die ich besucht habe, ausgefüllt.
Den Vortrag über Montenegro und seine Kultur fand ich sehr interessant. Man weiß oft erstaunlich wenig über das Land, das man besucht. Und wenn überhaupt, dann kennt man meistens nur Klischees.
Eines davon ist, dass die Montenegriner ein eher bequemes Volk seien. Dabei wird oft übersehen, wie fleißig die Menschen dort sind – besonders die Frauen.
Die Montenegriner sind ein stolzes und äußerst gastfreundliches Volk. Immer noch gibt es Orte, wo es genügt zu sagen, dass du als Reisender Durst oder Hunger hast, und du wirst aufgenommen, als wärst du ein Teil der Familie.
Dazu kommen alte Traditionen und neue Lebensweisen, die manchmal erstaunlich nebeneinander bestehen. Montenegro ist in vieler Hinsicht ein Land voller Gegensätze.
Die Zeiten ändern sich, wie überall. Aber manches bleibt.
Montenegro ist ein Land mit wunderschöner, wilder Natur, mit vielseitigen Küstenlandschaften, vielen Seen und Bergen – woher auch der Name stammt.
Aber, wie mein Vater einmal sagte: „Für eure Alpen sind wir ein reines Hügelland.“
Und es ist ein Land, in dem man innerhalb von 500 Metern für 10 Euro entweder gerade einmal ein Getränk bekommt – oder ein ganzes Menü mit passenden Getränken dazu.
Und vielleicht sind es genau diese Gegensätze, die Montenegro so interessant machen. Man kann dort am Vormittag durch eine alte Stadt spazieren, am Nachmittag am Meer sein und am Abend zwischen Weinfässern feiern.
Der Galaabend
Und zuletzt: der Galaabend.
Er fand in einem ehemaligen Bunker für Flieger auf einem Militärflughafen statt, der bei der NATO-Bombardierung zerstört wurde.
Jahre danach wurde die Anlage von einem Weinbauern zur Weinlagerung übernommen und umfunktioniert. Direkt beim Eingang befindet sich ein Wasserfall. Im Inneren, zwischen Weinfässern, hatte man eine Bühne und Tische aufgestellt.
Es gab eine Einlage mit traditionellem Volkstanz. Peter und Silvia stellten den EMAG in Villach vor.
Danach gab es Livemusik mit einer Band. Die Stimmung war wirklich wunderschön. Manche behaupteten, das sei der beste EMAG bis jetzt gewesen.
Und ja, das Orga-Team von Montenegro hat wirklich alles gegeben. Die Dankschreiben im Netz kamen noch Wochen danach.
Bei der Verabschiedung von Tripo habe ich ihm das auch gesagt und in zweideutiger Weise erwähnt: bis Villach.
Und nächstes Jahr?
Um das Montenegro-Team zu übertreffen – das Team eines Landes mit gerade einmal rund 620.000 Einwohnern –, brauchen wir für nächstes Jahr Freiwillige.
Aber auch Leute, die etwas können, im Sinne von: über ein Thema einen Vortrag halten, in dem sie sich gut auskennen, über ein Buch sprechen, das sie geschrieben haben, zeigen, was sie machen, oder ihre eigene Kunst präsentieren.
Traut euch. Es ist einfacher, als man denkt.
Über die Post-Tour könnte man auch schreiben, über Montenegro sowieso noch sehr viel.
Ich hoffe aber, dass ich mit meinem Bericht ein wenig von dem vermitteln konnte, was dieses Land so besonders macht – und vielleicht bei dem einen oder anderen die Lust geweckt habe, es selbst einmal zu erleben.
Dijana Pejic





